... aus der Presse - Neue Knüverseite

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... zum besseren nachlesen wurden die Zeitungsartikel, jeweils darunter, abgeschrieben
Neuss-Grevenbroicher-Zeitung
Artikel aus dem Jahr 1952

Es ist eine Seltenheit, daß ein Neußer Schützenkönig seine Würde um ein halbes Jahrhundert überlebt. Nicht,
weil die Bürde zu schwer sein könnte, sondern weil Schützenkönige meist in einem gesetzteren
Alterden großen Wurf wagen. Nur die Junioren unter Ihnen haben Aussicht ein goldenes
Jubiläum des Gedenkens feiern zu können! Fritz Schmaucks ist ein solch junges Blut, das sich mit
28 Jahren an die Vogelstange wagte. "Ehr könnt jo nix" bedeutete er Anno 1902 den sechsen
seines Zuges, die vor Ihm an der Reihe waren, den Balg des Königsvogels waidwund
zu schießen. Er setzte sich hin, zielte, schoß und war Schützenkönig. Trotz seiner
jungen Jahre sagte seine Frau "Ja" zu dem Ereignis. Sie ließ Fritz gewähren,
da Sie selber an dem großen und ganzen Gedöns sowieso nicht teilnehmen konnte, weil sie auf ein
anderes Ereignis wartete. Ihr Fritz schwelgte also in seinem Königtum, und die kleine Prinzessin kam
14 Tage später. Der stolze König mit dem noch stolzeren Schnurrbart hängt heute goldbekranzt in Kreide
gezeichnet im Schlafzimmer, und man sieht es ihm gar nicht an, daß es kein Neußer, sondern ein
Königsberger ist. Denn Fritz Schmaucks schnupperte 1874 in Königsberg zum ersten mal Ostseewind.
Der Metzgerlehrling ging auf die Wanderschaft und blieb in Neuß und bei der Firma Caspar Thywissen
hängen. Und wie er sich akklimatisierte: noch vor der Jahrhundertwende zählte ihn der Grenadierzug "Knüver"
zu seinem längsten Mitglied, das beim I. Garderegiment zu Fuß in Potsdam Erfahrungen gesammelt hatte.
Nach dem ersten Weltkrieg war er 15 Jahre lang Kirmesleutnant und heute eben sein Sohn den Zug.
Was die Neußer Kirmes doch nicht alles bewirkt. Der 78-jährige hat sich einen nahrhaften Lebensabend
ausgesucht: sein Lieblingsrevier ist der Garten, sein Sorgenkind seine Obstplantage. Schafe Ziegen, Kaninchen
und Hühnern ist er ein guter Hausvater. Außerdem züchtet er Ferkel und stattliche Schinken. Man sieht er folgt
großen Beispielen. es ist nicht das erstemal das ein Ex-König unter die Farmer geht.

Artikel aus dem Jahr 1969

Ein für einen Kirmeszug seltenes Jubiläum kann in diesem Jahr der Grenadierzug "Knüver" hergeben. Er wird 85 Jahre alt.
Im Jahre 1884 wurde der Zug von Fritz Reinartz gegründet, 1902 war es dem Mitglied des Zuges Fritz Schmaucks,
gelungen, Neusser Schützenkönig zu werden. Josef Schmaucks, der Sohn der Ex-Majestät, gründete im ersten
Nachkriegsjahr den Zug wieder und führte ihn lange Jahre als Oberleutnant an, bis ervor einiger Zeit aus
Gesundheitsgründen diesen Posten zur Verfügung stellen mußte. Aufgrund seiner Verdienste wurdeer zum
Ehrenoberleutnant der "Knüver" ernannt. Die Feier des Geburtstages wurde mit einem feierlichen Gotesdienst
in der Pfarrkirche Hl.Dreikönige eingeleitet, dem sich im Vereinslokal "Im Dom" ein musikalischer Frühschoppen
anschloß, an dem als Gäste Schützenkönig Norbert Hartmann, Regimentsoberst Heinz Hall und vom Grenadierkorps
Vorsitzender Josef Königshofen, Major Josef Tilmes und die Vorstandsmitglieder Heribert Schneider und
Walter Steinhäuser teilnahmen. Sie alle überbrachten zu dem seltenen Fest herzliche Glückwünsche und gaben dabei
der Hoffnung Ausdruck, daß es den "Knüvern" auch gelingen möge, das Hundertjährige zu begehen.
Am Abend trafen sich die Mitglieder des Zuges mit Ihren Frauen zu einem geselligen Beisammensein im Vereinslokal,
womit für diesen Zug bereits die Kirmesvorfreuden begonnen hatten.

Artikel aus dem Jahr 1969

Im Neußer Grenadierkorps, das in den letzten Jahren einem langsamen, aberstetigen Aufschwung genommen hat,
marschiert in diesem Jahr ein Zug mit, der auf ein 85-jähriges Bestehen zurück blicken kann. Es handelt sich
um die "Knüver", die 1884 von Fritz Reinartz ins Leben gerufen wurden.In all den langen Jahren seitdem
ist es seinen Nachfolgern gelungen, die Existenz des Zuges zu sichern, eine Leistung, die Achtung verdient.
Unter Leitung des Gründers wagte sich im Jahre 1902 sogar das Mitglied des Zuges Fritz Schmaucks,
der Vater des heutigen Ehrenoberleutnants, an die Vogelstange - und verließ
sie als Schützenkönig, womit sein Name in den Annalen des Neusser-Bürger-Schützenvereins
verewigt wurde. 1911 wechselte die Zugführung. Heinrich Nettesheim übernahm die Leitung
der "Knüver", der dann im Jahre 1924 seinen Posten an die Ex-Majestät Fritz Schmaucks weitergab. 1938
und 1939 hielt dann Peter Klaff die Geschicke des Zuges in den Händen. Bei Ausbruch des Zweiten Welt-
Krieges mußten zwar die meisten der Mitglieder Neuss verlassen, aber einigen der "Alten" - Fritz Schmaucks,
Trutzenberg, Jans, Krings, Dolff und Kahausen - gelang es auch in den Jahren der Wirrnisse das Band der
Verbundenheit mit dem Zug zu erhalten. In aller Stille waren sie für den Zug tätig, und selbst in den schlimmsten
Jahren dachten die Daheimgebliebenen, daß nach Regen auch mal wieder die Sonne scheinen würde, und daß
eines Tages das "Freut euch des Lebens" wieder erklingen werde. Ihre Begeisterung für das heimische
Brauchtum wurde zwar auf eine große Probe gestellt, aber bereits im Jahre 1946,
als wirklich nur die "unverbesserlichen Kirmesdollen" an die Wiederbelebung des Schützenfestes
dachten, wurde die Tradition fortgesetzt. Der Zug "Knüver" fand wieder unter Führung des Sohnes der Ex-Majestät,
Josef Schmaucks, der bis zu seiner Erkrankung dem Zug voranmarschierte, zu neuem Leben. Ihm vor
allem ist es zuzuschreiben, daß der Zug auch im 85. Jahre seines Bestehens noch so vital
und so stark wie eh und je dabei ist. Daß es den "Knüvern" auch vergönnt sein möge, den 100. Geburtstag
zu feiern, das sei unser Wunsch an dieser Stelle.

Artikel aus dem Jahr 1994

Er ist ein Muster von Beständigkeit und gleichzeitig darf von einer vorausschauender Personalpolitik gesprochen werden.
Die Rede ist vom Grenadierzug "Knüver", der in diesem Jahr sage und schreibe 110 Jahre besteht. Fritz Reinartz hieß einer
der Mitbegründer, der zum ersten Oberleutnant gewählt wurde und den Zug bis zum Jahre 1910 voranmarschierte.
Acht Jahre zuvor hatte der Zug sogar einen Neusser Schützenkönig gestellt - in der Person von Fritz Schmaucks, der,
da er in einer Neusser Ölmühle beschäftigt war, als "Ohlesbühl-König" in di Chronik der Neusser Schützenkönige
eingegangen ist. 1911 war an der Spitze des Zuges der erste Wechsel fällig, denn Heinrich Nettesheim übernahm das
Kommando, zunächst aber nur für drei Jahre, brach in den ersten Augusttagen doch der erste Weltkrieg aus.
Er war es dann auch, der nach Beendigung des Krieges die Gemeinschaft wieder zusammenführte und sie beim ersten Fest
danach wieder auf den Markt brachte. Ihm folgte 1924 der Schützenkönig des Jahres 1902 Fritz Schmaucks, der das Amt
bis 1937 innehatte. Sein Nachfolger wurde Peter Klaff, dem es jedoch nicht vergönnt war, eine längere Zeit
voranzumarschieren, denn 1939 gab es ja eine weitere Unterbrechung. Derweil das Gros der Gemeinschaft einberufen
wurde, blieben einige ältere Mitglieder vom Kriegsdienst verschont, und sie waren es denn auch, die für den
Kontakt untereinander sorgten. So war es denn auch nicht weiter verwunderlich, daß bereits 1945 die ersten Fühler wieder
ausgesteckt wurden und mit dem Ergebnis, daß der Zug bei der sich ersten bietenden Gelegenheit wieder aktiv wurde.
Mit neuer Führung durch den Sohn des "Ohlesbühl-Königs" Josef Schmaucks. Nach dessen Tod nahm Peter Junemann
seine Stelle ein und gibt auch im Jubeljahr die Kommandos, Leutnant ist Horst Schröpfer, Feldwebel Hans-Josef Deuß

Artikel aus dem Jahr 1994

Sensationell alt ist in diesem Jahr der Grenadierzug Knüver geworden, aber dennoch jung geblieben. 110 Jahre ist das
Alter dieses Zuges, womit man weit und breit wohl seinesgleichen suchen dürfte. Ein Blick in die Geschichte verdeutlicht
dabei, welche Einmaligkeit hier gegeben ist. In dem Jahr in dem der Zug das Licht der Welt erblickte, regierte in
Deutschland noch Wilhelm I., das Drei-Kaiser-Jahr ließ noch vier Jahre auf sich warten, als die erste Generation
der Knüver durch die damals noch mit Kopfstein gepflasterten Straßen zog. Fritz Reinartz zählte zu den
Mitgründern der Gemeinschaft, die zwar weiß, in welchem Jahr die Geburtsstunde des Zuges geschlagen hatte, aber
so gut wie auf keine Unterlagen aus der Geschichte zurückgreifen kann, wobei wohl auch davon ausgegangen werden
darf, daß in der guten alten Zeit nicht viel Wert auf Papierkram gelegt wurde. Aber vielleicht ist auch hier der Fall
gegeben, das Unterlagen als Familienbesitz betrachtet wurden, die einfach nicht zu gegebener Zeit an den Zug
weitergeleitet wurden. Sei´s drum die heutigen Mitglieder jedenfalls haben von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen -
"nichts in den Händen". Im Jahr 1902 stellte der Jubelzug in Neuss den Schützenkönig: Fritz Schmaucks, der in
einer der damals noch zahlreichen Ölmühlen der Stadt beschäftigt war und aufgrund dieser Tätigkeit den Beinamen
"Ohlesbühl-König" bekam. 1911 gab es den ersten Wechsel in der Zugführung, ein Ereignis, das in der Geschichte des
Zuges Seltenheitswert hat. Heinrich Nettesheim übernahm in jenem Jahr das Kommando, der auch nach dem
Ersten Weltkrieg und den ihm folgenden Wirren die Schar der Getreuen wieder auf die Beine brachte, auf daß weiter
"för de Freud" marschiert werden konnte. 1924 wurde der Ohlesbühl-König zum Oberleutnant bestellt und bekleidete diesen
Posten bis 1937. Schmaucks Nachfolger wurde Peter Klaff, dem es jedoch lediglich vergönnt war, den Zug zwei Jahre
zu führen. Am Schützenfestsonntag des Jahres 1939 wurden die Mitglieder auch diesen Zuges Zeuge davon, wie noch
vor der Paradeauf dem Markt die ersten Stellungsbefehle verteilt wurden, die Selbstauflösung des 39er Festes, das offiziell
nicht abgesagt wurde, nahm ihren Lauf. Während die meisten Mitglieder des Zuges die Schützenuniform mit einer anderen
tauschen mußten, konnten einige wenige zu Hause bleiben. Und sie waren es denn auch in erster Linie, die die Kontakte
aufrecht erhielten und den Draht zwischen Heimat und Front zogen. 1946 blühte dann langsam aber sicher das Zugleben
wieder auf. Aus den Ruinen heraus gingen die Schützen wieder ans Werk, den Aufbau zu betreiben. Neuer Zugführer
wurde ein Sohn von Fritz Schmaucks, Josef Schmaucks der 1949 den Zug, der an 23ter Stelle bei den Grenadieren
mitmachte, durch die Strassen der Stadt führte. Wen dabei auch noch viele Lücken die Straßenränder "zierten", man
hatte wieder Tritt gefasst, als ob es weder Not, noch Tod, noch Trümmer gegeben hätte. Nach dem Tod von
Josef Schmaucks kam 1968 Peter Junemann an die Sptze des Zuges, der auch im Jubiläumsjahr das Sagen hat -
dabei unterstützt von Leutnant Horst Schröpfer und Feldwebel Hans-Josef Deuß.

Artikel aus dem Jahr 2002

Mit seinen nunmehr 118 Jahren ist der Grenadierzug "Knüver" nicht nur der älteste Zug im Neusser Schützenregiment,
sondern wohl auch in der näheren und weiteren Umgebung. Warum die Gründer, die 1884 für den Zug den
Startschuss gaben, gerade diesen Namen auserkoren hatten, kann heute keiner mehr sagen, denn ein Lob bedeutet
der Name nun auf keinem Fall, denn er bedeutet nach dem "Neusser Alphabet" älterer Spießbürger oder auch Nörgler,
der nicht so brav ist, wie er scheinen möchte. Wirft man zudem einen Blick auf die deutsche Geschichte, so fällt dem Kenner
sofort auf, dass das Reich damals von Kaiser Wilhelm I. regiert wurde und das "Drei-Kaiser-Jahr" erst vier Jahre später
anbrach. Fritz Reinartz hieß der erste Zugführer, der bis 1910 der Einheit voran marschierte. In seine Zeit als Zugführer
fiel denn auch das Königtum des Zugmitgliedes Fritz Schmaucks, der 1902 den Königsvogel von der Stange holte und als
"Ohlesbühl-König" in die Annalen des Bürger-Schützen-Vereins eingegangen ist, war er doch Arbeiter in der Ölmühle
von C.Thywissen. Fritz Schmaucks stammte übrigens ausKönigsberg in Ostpreussen, diente im 1.Garde-Regiment zu Fuß in
Potsdam, ging als Metzger-Geselle auf Wanderschaft und wurde in Neuss sesshaft. 1911 gab es dann den ersten Wechsel
in der Zugführung, als Heinrich Nettesheim das Kommando übernahm. Unter ihm ging es dann nach dem 1.Weltkrieg
weiter. Von 1925 an führte Fritz Schmaucks jun., der Sohn des Königs, den Zug über den Markt, bis zum Jahr 1937.
Dessen Nachfolger wurde Peter Klaff, der jedoch wenig Freude daran hatte, denn bereits zwei Jahre später gab es eine
weitere Unterbrechung des schützenfestlichen Tuns. Als dann 1949 das erste "richtige" Heimatfest wieder gefeiert wurde,
sah man einen weiteren Schmaucks von der dritten Generation. Nach dessen Tod wählten die Marschierer Peter Junemann
zum Oberleunant, der von 1968 bis 2000 amtierte und dann das Amt an Horst Schröpfer, der zuvor Flügelleutnant war,
weitergab.

Artikel vom 25.5.2009

Gestern war ein Tag der Superlative. Der älteste Zug im Neusser Schützenregiment feiert ein stolzes Jubiläum. Er wird
125 Jahre alt. Als Grenadiere 1884 den Zug "Knüver" gründeten, regierte Kaiser Wilhelm II. Daran wurde gestern
vormittag im Vogthaus ebenso erinnert wie an den wechselvollen gesellschaftlichen Umständen, die der Zug in seiner
langen Geschichte meisterte. Im Zuglokal am Münsterplatz traf sich die Gemeinschaft mit Gästen zum Festkommers.
Dabei konnte Oberleutnant Horst Schröpfer ein "volles Haus" melden. Bürgermeister Herbert Napp zählte ebenso zu
den Gästenwie Schützenkönig Dr. Hermann Josef Verfürth. Die Doppelspitze der Grenadiere, Vorsitzender Günter
Engels und Major Karl-Heinz Beek, überbrachten Glückwünsche des schwarz-weißen Korps. Beek bezeichnete dabei
das stolze Jubiläum als "einmaliges Ereignis" und betonte, dass im Zug über die Generationen hinweg stets Freundschaft
gepflegt worden sei. Besonders Stolz dürfte die Gemeinschaft darauf sein, dass sie mit Fritz Schmaucks im Jahr 1902
auch einen Schützenkönig stellen konnte. Beek bekannte in seiner Rede: "Ich bin stolz, solch einen Zug in dem von mir
angeführten Korps zu haben." Der Feier im Zuglokal Vogthaus war ein Gottesdienst in der Marienkirche vorausgegangen,
den Msgr. Wilfried Korfmacher zelebrierte. Als aktivem Grenadier fiel es Korfmacher in seiner Predigt nicht schwer,
den Bogen zum Schützenwesen, zum stolzen Jubiläum und zum Zug "Knüver" zu schlagen.

Artikel in der Sonderbeilage NGZ August 2009

In Deutschland herrschten noch die Hohenzollern, Wilhelm I. trug den Titel Deutscher Kaiser, zu dem ihn Otto von
Bismarck nach dem Deutsch-Französischen Krieg verholfen hatte, und zudem war er König von Preußen.
Eine lange Friedenszeit schien sich anzubahnen, da fanden im Jahr 1884 einige junge Neusser zusammen und hoben
einen Grenadierzug aus der Taufe, dem sie den Namen "Knüver" gaben. Wieso die Gründer ausgerechnet auf diesen
Namen gekommen waren, ist bis zum heutigen Tag ein Geheimnis, zumal aus jener Zeit nur ganz wenige Unterlagen vor-
handen sind - was wohl darauf zurückzuführen ist, dass in jener Zeit wenig Wert auf Papierkram gelegt worden war.
Das Substantiv "Knüver" hat eine nicht gerade positive Bedeutung: älterer Spießbürger, knauseriger Nörgler. Doch die
heutige Generation der Marschierer identifiziert sich offensichtlich mit diesem Namen
Der Ohlesbühl-König Zum ersten Oberleutnant wurde vor 125 Jahren Fritz Reinhartz gewählt, der den Grundstein dazu
legte, dass der Grenadierzug ein wohl einzigartiges Jubiläum feiern darf. Das Jahr 1902 brachte für den Jubelzug ein ganz
besonderes Ereignis, denn Fritz Schmaucks wurde Neusser Schützenkönig. Er war gebürtiger Ostpreuße und hatte sich als
Metzgerlehrling von seiner Heimatstadt Königsberg aus gen Westen aufgemacht und in Neuss eine neue Heimat gefunden.
Durch seinen Beitritt zu den "Knüvern" stellte er auch schnell klar, dass er im tiefen Westen des Deutschen Reiches Fuß
gefasst hatte. Da er in der Zwischenzeit auch seinen Beruf gewechselt hatte, in der Öhlmühle von C.Thywissen tätig
geworden war, bekam er bald den Spitznamen "Ohlesbühl-König", als der er denn auch in die Schützenfest-Geschichte
eingegangen ist.
Geliehene Königin Nachdem Fritz Schmaucks Schützenkönig geworden war, gab es für ihn jedoch ein Problem der
besonderen Art, denn seine Gattin stand kurz vor der Geburt der Tochter, konnte also zu den Krönungsfeierlichkeiten ihr
Amt nicht ausüben. Fritz Schmaucks überlegte nicht lange und "lieh" sich für die Krönung die Frau von Peter Gallas, was
wohl als einmaliges Ereignis in der bisherigen Geschichte des Neusser-Bürger-Schützenvereins gelten dürfte. Fritz
Schmaucks wohnte übrigens in einem der "Porzelinger Hüser" an der heutigen Bergheimer Straße, die in jenen Jahren
im Straßenregister unter dem Begriff Sektion F geführt wurden und vom Arbeitgeber C.Thywissen für die in der Öhl-
mühle Beschäftigten erbaut worden waren.
Beide Kriege überstanden 1911 übernahm Heinrich Nettesheim das Kommando, der auch über die Jahre des Ersten
Weltkrieges und danach "Pohl hielt", so dass der Jubelzug bereits beim ersten Nachkriegs-Schützenfest, das 1920 anstand,
mit von der Partie war. 1924, in jenem Schützenfest-losen Jahr, wie auch im Jahr zuvor, als die französischen Besatzungs-
mächte das Fest nicht genehmigt hatten, gab es in der Zugführung einen weiteren Wechsel, Fritz Schmaucks wurde mit der
Führung beauftragt, ein Amt, das er immerhin bis zum Jahr 1937 inne hatte. Ihn löste Peter Klaff ab, unter dessen
Kommando die "Knüver" mit ansehen mussten, wie bei der Königsparade 1939 Schütze auf Schütze den Markt verließ,
da sie mit Beginn des Zweiten Weltkrieges ihren Stellungsbefehl bekommen hatten. Dazu vermerkte Joseph Lange in
seinem Buch "Bürger und Bürgersöhne": "Eltern holten ihre Söhne aus den Zügen heraus, andere verheimlichten den
Schicksalsbrief so lange wie möglich, um die letzte Freude nicht vorzeitig zu trüben." Einige ältere Zugmitglieder hatten
jedoch das Glück, nicht einberufen zu werden, die es dann auch verstanden, Kontakt nach drinnen und draussen zu halten,
so dass bereits 1946 neues Leben auch in den Reihen der "Knüver" erblühte. In jenem Jahr wurde der Sohn des "Ohlesbühl-
Königs", Josef Schmaucks, zum neuen Oberleutnant gewählt, und als dann vor sechzig Jahren ein echtes Fest gefeiert
wurde - wenn auch die Krönung bereits am Abend des Schützenfest-Dienstag in der "sagen-umwobenen" Viehhalle an der
Hammer Landstrasse Stattfand - war der Zug mit von der Partie. Als 23.Zug im Korps der Grenadiere kamen die "Knüver"
damals auf den Markt. Nach dem Tod von Josef Schmaucks ging die Zugführung an Peter Junemann über, der den
Staffelstab im Jahr 2000 an Horst Schröpfer weitergab, der bis dato der "Jösseleutnant" gewesen war. Udo Vaassen ist der
Flügelleutnant, Hans-Josef Deuß ist der Stabsfeldwebel der Truppe, der übrigens 1995 auch Korpssieger der Grenadiere
war und immer noch schießt "wie e Döppke".
Ausstellung mit Königsorden Nach wie vor ist im Zug eine gut durchmischte Alters- und Berufsstruktur zu verzeichnen.
Am 17.August wurde übrigens in den Räumen des Börsencafés an der Krefelder Straße eine Ausstellung mit dem Titel
"125 Jahre - Knüver im Wandel der Zeiten" eröffnet, die noch bis zum 4.September geöffnet ist. In dieser Ausstellung ist
denn auch ein besonderes Schmuckstück zu sehen: der erste Königsorden aus dem Jahr 1823,
der sich im Zugbesitz befindet.

...hier ist keine Abschrift nötig.
NGZ-Sonderausgabe vom 29.8.2014

Die Kleiderordnung im Grenadierkorps hat sich in 130 Jahren nicht verändert: schwarzer Gehrock - Frack oder Cut -
Zylinder, Weiße Hose und Fliege.Dennoch ist die Mode mit der Zeit gegangen. "Früher trug eigentlich jeder
Mann einen Zwirbelbart", sagt Udo Vaassen beim Blick auf ein Foto seines Grenadierzugs "Knüver"
aus dem Jahr 1897. Es ist eines der ältesten Dokumente der Zughistorie, denn in den Anfangsjahren legte man  
"auf den Papierkram nicht so viel Wert". Heute trägt nur noch Feldwebel Hans-Josef Deuß den Oberlippenschmuck.
An die Herren von damals reicht sein Schnurbart aber nicht heran. Zu eben jenen gehörte auch der einzige Schützenkönig
aus den Reihen der "Knüver", Fritz Schmaucks. Anno 1902 trat er an die Vogelstange, mit gerade  einmal 28 Jahren.
Als sich sein Schützenzug gründete, war Schmaucks selbst noch ein Junge. Als Metzgerlehrling ging er
von Königsber auf Wanderschaft, blieb schließlich in Neuss hängen und schloss sich den 1884 gegründeten "Knüvern" an.
Ob man ihm damals sagen konnte, was der Zugname bedeutet, ist nicht überliefert. Heute jedenfalls liegt die Geschichte
der Namensgebung im Dunkeln. Übersetzt bedeutet "Knüver" etwa "älterer Spießbürger" oder "knauseriger Nörgler".
Damals lebten die Menschen seit mehr als einem Jahrzehnt im noch jungen Deutschen Reich in Frieden und hofften auf eine
lange Zeit ohne Konflikte. Doch es folgten zwei Weltkriege. An Schützenfest 1939 verheimlichte so mancher seinen
Einberufungsbefehl, um die Freude auf die Festtage nicht zu trüben. Der Kontakt untereinander riss nicht ab, und auch
in den Kriegsjahren ließen die Daheimgebliebenen das Zugleben nie ruhen. In der Gaststätte "Rheingold"
trafen sie sich mit dem Ziel vor Augen, irgendwann in Frieden Schützenfest zu feiern. 1946 fanden die "Knüver"
endgültig wieder zusammen, aber es fehlten vier gefallene Kameraden. Die Königskette aus dem Gründungsjahr konnte
über all die Zeit als Schatz gehütet werden. Mit dem ältesten Foto aus dem Jahr 1894, Aufnahmen der
Paraden aus den 1920er Jahren und einem Gruppenbild bei einer Versammlung in 1941 verfügt der Zug über einen
Fundus, der das Herz eines jeden Chronisten höherschlagen lässt. Heute hütet Oberleutnant Udo Vaaßen
das Geschichtsbuch mit den goldenen Lettern "Knüver" auf dem Umschlag. Vielleicht gibt es sogar einen
Schnappschuss mit ihm im Alter von zwölf Jahren darauf. "Ich habe früh mit Musik angefangen und erinnere mich daran,
als Kind einmal für die "Knüver" gespielt zu haben", erzählt der 58-jährige. Seit 30 Jahren gehört er mittlerweile
der Zuggemeinschaft an. Und: Unter seiner Führung wurde die Tradition des Fackelbaus wiederbelebt.
"Ich bin Handwerker und fand es schade, dass wir uns schon fast fünfundzwanzig Jahre
nicht mehr daran beteiligt hatten oder uns bei Freunden von der Furth eine Fackel geliehen hatten",
erzählt Vaaßen. Mit dem Motto "130 Jahre unter Dampf" widmen sich die 25 Mitglieder dieses Jahr
dem eigenen Geburtstag. Schließlich können sie Stolz darauf sein: Mit Ausnahme der Korps und Gesellschaften
sind die "Knüver" der älteste klassische Schützenzug im Regiment.

Artikel von 2009
aus dem Programmheft des Neusser-Bürger-Schützenverein / dem Stadtkurier / und dem TOP-Magazin
 
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